FtWTF
Cordula Thym, Katharina Lampert
A 2015, DCP, Farbe, 85 min, OF – Weltpremiere

In Anwesenheit der Protagonist_innen, Filmemacherinnen und des Filmteams.

Ein Körper ist keine Tatsache.
Ein Körper ist seine Position und ihre Veränderung.
Mein Körper ist kein anderer, kein falscher.
Mein Körper ist ganz seine Bewegung.

Dorian Bonelli


Vor der Transition ist nach der Transition – FtWTF beginnt dort, wo andere Dokumentarfilme, die sich mit Trans*biografien beschäftigen, oft enden. Der Film untersucht die Gratwanderungen und Bruchlinien, an denen Geschlecht vor, während, nach oder abseits dessen entsteht, was in der öffentlichen Wahrnehmung gemeinhin als der Weg der ,Geschlechtsangleichung‘ gesehen wird. Denn die körperliche Angleichung an die gelebte Geschlechtsidentität mittels Hormonen oder Operationen ist nur ein Teil der Erforschung der eigenen Identität – und nicht alle Trans*Personen gehen diesen Weg oder wollen ihn gehen. Der Versuch eines Lebens jenseits binärer Geschlechterkonstruktionen, das Infragestellen heteronormativer Lebensmodelle, die Suche nach einer lebbaren Männlichkeit, die man mit der eigenen Trans*Geschichte vereinbaren kann und die Reibungsflächen in einer queer-feministischen Community – all das sind Themen in FtWTF. Aber auch das Überwinden von Trauer, das Beenden von Lebensabschnitten und das immer wieder Neu-Anfangen, denn ein endgültiges Ankommen gibt es nie.

Die neue Dokumentation von Cordula Thym und Katharina Lampert (die mit verliebt, verzopft, verwegen anno 2009 Festivalgeschichte geschrieben haben) ist eine Langzeitstudie, für die sie ihre Protagonist_innen über mehrere Jahre begleitet haben. Herausgekommen ist eine cineastische Erfassung von sehr persönlichen Identitätsentwürfen, die sich in ihren Umgebungskontexten entfalten – ob nun in anonymen Stadtschluchten, erfrischend ironischen Stillleben an der schönen blauen Donau oder in der ländlichen Idylle samt dortigem Boden und Getier –, durchaus widersprüchlich und schmerzhaft, aber auch mit entwaffnendem Humor und Blick über den Tellerrand. Allen Geschichten ist in wunderbarer Weise ein Bezug zum gesellschaftlichen Ganzen und eine das Persönliche transzendierende Universalität im Begehren von, Kämpfen um und einfach Leben von Vielfalt eingeschrieben. Eine Entdeckung. (Barbara Reumüller)

Die Protagonist_innen

Nick Prokesch
Comiczeichner und Filmemacher. 1999 zog er im Alter von 16 vom Land nach Wien, wo er seither ,picken‘ geblieben ist wie das Tixo auf seinen Tape-Graffiti-Wänden.

Dorian Bonelli
Performance- und Videokünstler aus Wien. Er studierte Konzeptuelle Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, engagiert sich u.a. in der Körperarbeit und erweiterten Sexualität und hält Workshops u.a. zu Männlichkeit und Territorium.

Mani Tukano
is many, and sometimes even more …

Gin Müller
arbeitet an der Schnittstelle von Performance-Kunst, Theater und politischem Aktivismus. Er war u.a. in der VolxTheaterKarawane und in der Refugee-Protestbewegung in Wien aktiv.

Hans Scheirl
Trans(-media, -genre, -gender)-Künstler_in. Aufgewachsen in Salzburg, langjährige Aufenthalte in New York und London. Seit 2006 ist er Professor für Kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Persson Perry Baumgartinger
Der angewandte Sprachwissenschaftler beschäftigt sich mit Queer Linguistics, Transgender Studies und Diskursanalyse wie auch mit Körper- und Energiearbeit. Er ist u.a. Begründer von „queeropedia“, einer queeren Enzyklopädie im Netz.

Denice Bourbon
ist Vollzeit-Diva, Sängerin bei ME and JANE DOE, Burlesque-Tänzerin, politische Aktivistin, Punk und Autorin. Sie veröffentlichte bereits ihre Memoiren: „Cheers! Stories of a fabulous queer femme in action“.

Katharina Lampert
Geboren 1976 in Wien. Studium der konzeptuellen Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. Realisiert Einzel- und Gemeinschaftsprojekte in den Bereichen bildende Kunst und Film. FtWTF (2015) ist ihr zweites gemeinsames Projekt mit Cordula Thym.
Filmografie: verliebt, verzopft, verwegen (2009, Ko-Regie, Doku; identities 2009), VonHierAus (2015, Ko-Regie, Doku)

Cordula Thym
Geboren 1977 und aufgewachsen in Tirol. Schnittstudium an der Filmakademie Wien, danach Arbeit als Schnittassistentin, Tonfrau, und Cutterin. FtWTF ist ihr zweites gemeinsames Projekt mit Katharina Lampert.
Filmografie (Auswahl): Beyond Borderline (2002), Echos (2006, Schnitt), verliebt, verzopft, verwegen (2009, Co-Regie, Doku; identities 2009).

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
18.06. 20:00 / Filmcasino
21.06. 18:00 / Filmcasino

REGIE:
Cordula Thym, Katharina Lampert

Produktion: Cordula Thym, Katharina Lampert
Kamera: Judith Benedikt
Zusätzliche Kamera: Johanna Kirsch
Schnitt: Niki Mossböck
Musik: Veronika Eberhart, Armin Lorenz
Ton: Johanna Kirsch
Animationen: Nick Prokesch
Mit: Nick Prokesch, Dorian Bonelli, Mani Tukano, Denice Bourbon, Gin Müller, Persson Perry Baumgartinger, Hans Scheirl u.v.a.
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