Miss Mona – Mehdi Charefs Cannes- und César-nominiertes Drama von 1987
Worum es in Miss Mona geht
Samir, ein arabischer Einwanderer ohne Aufenthaltspapiere in Paris, lebt von unsicheren Gelegenheitsjobs und in ständiger Angst vor der Polizei. Miss Mona, die von einer geschlechtsangleichenden Operation träumt und sich als Kartenlegerin über Wasser hält, bietet ihm Unterschlupf in ihrem Wohnwagen am Stadtrand. Obwohl Samir ihr klarmacht, dass er nicht auf Männer steht, wird sein Körper zum „Kapital“, das Mona vermittelt – und beide versuchen so, ihren jeweiligen Träumen näherzukommen.
In knappen, dialogarmen Szenen mit eindrücklicher Kameraarbeit erzählt Mehdi Charef, ein von Fassbinder beeinflusster Autodidakt, das Zweckbündnis zwischen Mona und Samir lebensnah und ohne Pathos. Die Handlung beginnt und endet in der Pariser Metro – dort, wo sich täglich Menschen und Schicksale kreuzen – und verbindet dabei tragikomische Momente mit sensibler Sozialkritik.
Charef selbst kam Anfang der sechziger Jahre als Kind aus Algerien nach Paris und arbeitete Jahre als Scherenschleifer in einer Fabrik, bevor Costa-Gavras ihm riet, seinen Roman „Le Thé au Harem d'Archi Ahmed“ zu verfilmen. Für sein Regiedebüt erhielt er 1985 in Cannes den „Award of the Youth“ und den „Jean-Vigo-Preis“, 1986 den César für das beste Erstlingswerk.
Mehdi Charef: vom Fabrikarbeiter zum preisgekrönten Regisseur
Mehdi Charef wurde am 21. Oktober 1952 in Maghnia, Algerien, geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Frankreich, wo er zeitweise in den Slums des Pariser Ballungsraums lebte. Von 1970 bis 1983 arbeitete er als Scherenschleifer in einer Fabrik; parallel dazu schrieb er. Mit seinem folgenden Film Au pays des Juliets (Ein Tag und eine Nacht, 1991) war er 1992 in Cannes für die Goldene Palme nominiert und erhielt den Preis der Ökumenischen Jury – Besondere Auszeichnung. 2002 gewann er beim International Festival of Love Films in Mons den Kodak-Award für La Fille de Keltoum. 2005 verfasste Charef zudem sein erstes Theaterstück, „1962“, über das Ende des Algerienkriegs.
Kritik
„Miss Mona ist ein bewegendes Drama über die Einsamkeit der Außenseiter, über ihre Ausbeutung und ihre soziale Entwurzelung. Immer wieder schafft Charef kleine poetische Momente, in denen die Utopie einer klassen- und vorurteilslosen Gesellschaft sichtbar wird.“
3sat Magazin
„Mehdi Charefs Filme sind erstaunliche Bestandsaufnahmen zur Lage des ‚Menschen-Treibgutes' in den europäischen Industrienationen, ohne Pathos, ohne schwule Grandezza, ohne politische Nachhilfestunden: Die Darstellung ist die Kritik.“
Tip-Magazin
Der Film war bei den Césars 1988 in zwei Kategorien nominiert: bester Schauspieler (Jean Carmet) und beste Kamera (Patrick Blossier).
Miss Mona bei identities 2017
Anlässlich des 30. Jubiläums seines Kinostarts lief Miss Mona am 15. Juni 2017 um 22:00 Uhr im Filmcasino, in der Reihe Queer Classics und mit freundlicher Unterstützung von KG Productions (Mme. Ray-Gavras) präsentiert von shu!. Zur Filmografie Mehdi Charefs zählen außerdem Le Thé au harem d'Archimède (1984), Au pays des Juliets (1991) und La Fille de Keltoum (2001).
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Miss Mona?
Um die Zweckbündnis-Beziehung zwischen Samir, einem arabischen Einwanderer ohne Papiere in Paris, und Miss Mona, einer trans Kartenlegerin, die von einer geschlechtsangleichenden Operation träumt. Beide versuchen, über den anderen ihren eigenen Träumen näherzukommen.
Wer ist Mehdi Charef?
Ein 1952 in Algerien geborener, seit seinem zehnten Lebensjahr in Frankreich lebender Schriftsteller und Regisseur. Vor seiner Filmkarriere arbeitete er über ein Jahrzehnt als Scherenschleifer in einer Fabrik; Miss Mona war sein zweiter Spielfilm nach dem mehrfach ausgezeichneten Le Thé au harem d'Archimède.
Welche Auszeichnungen erhielt Mehdi Charef für seine Filme?
Für Le Thé au harem d'Archimède den „Award of the Youth“ und den Jean-Vigo-Preis in Cannes 1985 sowie den César 1986 für das beste Erstlingswerk; für Au pays des Juliets eine Palme-d'Or-Nominierung und den Preis der Ökumenischen Jury in Cannes 1992; für La Fille de Keltoum den Kodak-Award 2002 in Mons. Miss Mona selbst war bei den Césars 1988 für besten Schauspieler (Jean Carmet) und beste Kamera (Patrick Blossier) nominiert.
Wann und wo lief Miss Mona bei identities 2017?
Am 15. Juni 2017 um 22:00 Uhr im Filmcasino, in der Reihe Queer Classics, anlässlich des 30. Jubiläums des Kinostarts und mit freundlicher Unterstützung von KG Productions präsentiert von shu!.